Die Ausgangslage

Der im Eigentum der Vonovia befindliche Wohnhof Pfotenhauerstraße/Elisenstraße / Hopfgartenstraße (28 Hauseingänge mit jeweils 40 Haushalten) in der Dresdner Johannstadt ist durch eine vielfältige multikulturelle Bewohnerschaft mit rund 2.200 Bewohner*innen geprägt. Das Nebeneinander dieser unterschiedlichen Kulturen, Lebensgewohnheiten und Lebensrealitäten führt zu Konflikten im Zusammenleben, etwa im Hinblick auf Ordnung und Sauberkeit, Mülltrennung, Ruhezeiten und Lärmbelästigung sowie Sicherheit.

Aufgrund der vorhandenen kulturellen und sprachlichen Barrieren bestehen bislang kaum kulturübergreifende Kommunikationsmöglichkeiten, die eine Konfliktbearbeitung ermöglichen.

Um gemeinsam mit den Wohnhofbewohner*innen Lösungen zur Überwindung dieser Konflikte zu finden, wurde Ende 2019 in Zusammenarbeit mit der Vonovia und dem Quartiersmanagement (QM) das Projekt „Kulturmittler Wohnhof Pfotenhauerstraße“ ins

Leben gerufen. In einer vom Stadtbezirksbeirat Altstadt geförderten Bedarfsanalyse (November-Dezember 2019) wurden Probleme und Lösungsansätze im Wohnhof analysiert und mitwirkungsbereite Bewohner*innen identifiziert. In einem Folgeprojekt (Juli-Dezember 2020) wurden mit Förderung des Verfügungsfonds Nördliche Johannstadt und Unterstützung der Vonovia, sieben Arbeitsgruppen initiiert und bei der Gruppenfindung und der Erarbeitung von konkret umsetzbaren und finanzierbaren Mini-Projekten unterstützt, insbesondere durch die Durchführung einer Projektwerkstatt im Juli und die Begleitung von Arbeitsgruppentreffen und -aktivitäten. Bis März 2021 folgten die Dokumentation und Reflexion des bisherigen Prozesses sowie unter der Federführung des QMJ die Entwicklung eines Konzeptes für dieses Modellprojekt 2021 und dessen Abstimmung mit bereits aktiven Schlüsselpersonen aus dem Wohnhof, der Landeshauptstadt und der Vonovia. Am 14.4.2021 beschloss der Stadtbezirksbeirat Altstadt die Förderung des Modellprojektes.

Das Modellprojekt 2021

Es war uns bewusst, dass wir mit diesem Projekt keine Lösung für die unzureichende soziale Mischung herbeiführen können. Zugleich sind wir aber überzeugt, durch die Förderung von Eigeninitiative und Engagement der Bewohnerschaft und die Verbesserung der Kommunikationsmöglichkeiten eine Reduzierung der Konflikte und ein besseres Zusammenleben im Wohnhof bewirken zu können.

Um anders als bislang auch über aktive Einzelpersonen hinaus in den gesamten Wohnhof wirken zu können, lag der Schwerpunkt des Projektes auf der Entwicklung von Strukturen für aktive Hausgemeinschaften in allen 28 Hauseingängen. In intensiver Zusammenarbeit mit der Vonovia und verschiedenen Ämtern der Landeshauptstadt sollten dabei auch Erkenntnisse gewonnen werden, die bei Erfolg auch auf weitere Dresdner Wohnhöfe übertragen werden können.

Bausteine des Projekts waren die folgenden vier Arbeitspakete (AP). Ein fünftes Arbeitspaket umfasst die Projektsteuerung und -koordination.

1.Die Projektgruppen

Durch den Anschub und die Begleitung von Projektgruppe der Bewohner*innen bei der Entwicklung und Umsetzung eigener Projekte sollte es gelingen, die bisher eher  Bewohnerschaft zu aktivieren und zu ermutigen, ihr direktes Wohnumfeld zu gestalten. Gleichzeitig sollte eine Selbstwirksamkeit erfahrbar gemacht werden ( „ich kann etwas bewirken“) und der Austausch sowie Kontakt unter sich sonst fremden Bewohnergruppen im Wohnhof ermöglicht werden.

2. Die Hausversammlungen

Ziel des Arbeitspaketes war es, Hausversammlungen in allen 28 Hauseingängen des Wohnhofs durchzuführen. Hier sollten pro Hauseingang Haussprecher*innen plus Stellvertretung gewählt werden.

Im Mai führten wir eine Pilotphase durch, um das Konzept zu erproben. Da die Pilotphase erfolgreich verlief, übernahmen wir das Konzept für die noch ausstehenden Hausversammlungen.

Zu den in der Pilotphase gewählten vier Haussprecher*innen (plus Stellvertretung) kamen im Laufe des Jahres 6 weitere hinzu, so dass von den geplanten 28 Haussprecher*innen 10 gewählt wurden. Von den geplanten 28 Hausversammlungen haben 9 stattgefunden – drei Hausversammlungen kamen aufgrund mangelnder Beteiligung nicht zustande und zwei Hausversammlungen wurden zwar durchgeführt, allerdings ohne dass sich ein*e Bewohner*in dazu bereit erklärt hat, sich zur Wahl als Haussprecher*in aufzustellen.

In insgesamt 9 Hauseingängen kam trotz intensiver Arbeit des Projektteams aufgrund mangelnder Beteiligung keine Hausversammlung zustande. Die für Ende des Jahres 10 geplanten Hausversammlungen der noch ausstehenden Hauseingänge konnten aufgrund der Corona-Beschränkungen nicht mehr stattfinden. Sie sind Inhalt des Folgeprojekts, das seit März 2022 angelaufen ist.

3. Kulturmittler*innen

Aufgrund coronabedingter Anfangsverzögerung, kombiniert mit dem Fokus auf die Pilotphase der Hausversammlungen im Mai und eines Personalwechsels im Sommer, wurde das Arbeitspaket erst im September begonnen. Als sich abzeichnete, dass der Zeitplan des Projekts aufgrund eines überraschenden Personalausfalls nicht eingehalten werden konnte, wurde dies innerhalb der Steuerungsgruppe kommuniziert und ein Fokussieren auf die restlichen Hausversammlungen priorisiert. Es fand eine Umwidmung von Stunden statt, die es dem Projektteam vor Ort erlaubte, mehr Ressourcen für die Gewinnung von Haussprecher*innen aufzuwenden.

4. Wohnhofbeirat und Wohnhoffonds

Der Wohnhofbeirat setzt sich aus den gewählten Haussprecher*innen sowie Vertreter*innen der Vonovia zusammen und kommt viermal jährlich zusammen, um über Angelegenheiten zu beraten, die den Wohnhof betreffen. Zudem entscheidet der Wohhnhofbeirat über die Verwendung eines Wohnhoffonds zur Förderung von Projekten im Wohnhof oder mit Beteiligung von Wohnhofbewohner*innen , der über ein Volumen von 6.000 € verfügen und zur Hälfte durch die Vonovia und zur anderen Hälfte vom Stadtteilbeirat finanziert wird.

In Vorbereitung auf das konstituierende Treffen des Wohnhofbeirats fanden zwei Treffen mit den gewählten Haussprecher*innen statt, eines davon mit Beteiligung der Vonovia. Die Geschäftsordnung für den Wohnhofbeirat wurde entworfen und mit den Mitgliedern der Erweiterten Steuerungsgruppe besprochen. Die konstituierende Sitzung des Wohnhofbeirats fand am 21.04.2022 statt.

Foto: Angela Uhlmann

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